Entscheidungen der GIB sind demokratisch legitimie...

Die Vorwürfe der Bürgerinitiative Brake-Süd, Entscheidungen für die Errichtung der Bioabfallvergärungsanlage seien völlig undemokratisch und von einzelnen Personen mit gar privaten Interessen gesteuert zustande gekommen, entbehren jeder Grundlage.

Bei der GIB mbH kann niemand Entscheidungen alleine zustande bringen, weder der Geschäftsführer noch einzelne Mitglieder der Gesellschafterversammlung. Auch der Landrat als gesetzlicher Vertreter des Kreises in der Gesellschafterversammlung ist dazu nicht in der Lage.

Der Kreistag entsendet fünf Vertreter in die GIB-Gesellschafterversammlung. Alle in den Kreistag gewählten Parteien sind in dieser Versammlung vertreten. Aktuell sind das Harald Schöne (FDP, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung), Hans-Dieter Lohstroh (SPD), Hans Joachim Martens (CDU), Jürgen Janssen (Bündnis90/Die Grünen) und Friedrich Wiechmann (Unabhängige), sowie der Landrat Michael Höbrink.

Die Entscheidungen der fünf Kreistagsvertreter und des Landrates werden einvernehmlich für den Gesellschafter „Landkreis Wesermarsch“ getroffen. Sollten die Mitglieder einmal nicht einer Meinung sein, so entscheidet der Kreisausschuss, wie sie zu entscheiden haben, denn der Gesellschafter „Landkreis Wesermarsch“ muss mit „einer Stimme“ die Interessen des Kreises in der GIB vertreten.

Grundsätzliche Entscheidungen – und die Errichtung und der Betrieb einer Bioabfallvergärungsanlage muss sicherlich zu derart wichtigen Entscheidungen gezählt werden – werden im Kreistag bzw. seinen Gremien im Vorfeld diskutiert. Die Meinungsbildung erfolgt auch in den Kreistagsfraktionen und die Kreistagsvertreter in der Gesellschafterversammlung entscheiden dort dann aufgrund einer intensiven und fundierten Diskussion.

Die von der Bevölkerung des gesamten Landkreises bei demokratischen Wahlen in den Kreistag gewählten Politiker sind also am Zustandekommen der GIB-Entscheidungen beteiligt, einige aus ihrer Mitte werden delegiert, um in der Tochtergesellschaft des Landkreis dessen Interessen – und damit auch die der Bürgerinnen und Bürger des Landkreises Wesermarsch - zu vertreten.

Brake, Donnerstag, 6. November 2008, 19.30 Uhr

Harald Schöne, der Vorsitzende der GIB-Gesellschafterversammlung, begrüßt die ca. 120 Besucher/Innen im Sitzungssaal des Kreishauses in Brake und betont das Ziel der Veranstaltung: Die GIB hat Kompetenz eingeladen, um über die geplante Bioabfallvergärungsanlage zu informieren.

1. Rainer Penning: Von der Idee zur Realisierung dieser Klimaschutzmaßnahme

Warum, so fragte anschließend Rainer Penning, der Geschäftsführer der GIB, rhetorisch, realisiert die GIB die Vergärungsanlage? Weil diese Anlage gut ist für den Gebührenzahler und gleichermaßen eine gute Klimaschutzmaßnahme, lautete seine Antwort.

Für das Gelände des Entsorgungszentrums sind schon häufig Überlegungen zum Klimaschutz angestellt worden; einige Maßnahmen sind nach einer sorgfältigen Prüfung auch realisiert worden.

  • Das Deponiegas wird seit 1991 in einem Blockheizkraftwerk verwertet: Der Strom und die Wärme werden bei der Sickerwasserkläranlage und in den sonstigen Betriebsgebäuden genutzt.
  • Seit 2006 produzieren 206 Solarmodule auf dem Dach des Betriebgebäudes CO2-freien Strom, der ins Netz eingespeist wird. In den vergangenen zwei Jahren sind immerhin ca. 70.000 Kilowattstunden verkauft worden - bei eingesparten ca. 45.000 kg CO2.
  • Eine Photovoltaikanlage auf dem Deponieabschnitt Süd ist angedacht aber nicht realisiert worden.
  • Auch zur Nutzung der Ressource Wind auf dem Entsorgungszentrum hat es Überlegungen gegeben; planungsrechtliche Schwierigkeiten standen einer Realisierung entgegen.

Bleibt die Ressource Bioabfall, die ebenfalls – vor der Kompostierung – energetisch genutzt werden kann. Überlegungen für eine solche Verwertung hatte es schon vor geraumer Zeit gegeben, aber zum damaligen Zeitpunkt existierten nur Anlagen zur sog. nassen Vergärung.
Zu prüfen waren für die aktuell geplante Anlage dann die Grundlagen:

  • Sind ausreichend Bio- und Gartenabfälle zur Nutzung vorhanden?
  • Bestehen Synergieeffekte beim Entsorgungszentrum?
  • Sind Emissionen zu vermeiden?
  • Ist ein wirtschaftlicher Betrieb möglich?
  • Ist die Genehmigungsfähigkeit gegeben?


Mit augenblicklich ca. 11.000 t/a Bioabfall und ca. 4.000 t/a Gartenabfall sind ausreichende Mengen – mit Ablauf der bestehenden Kompostierungsverträge – vorhanden.
Die entstehende Wärme kann nicht nur auf dem Entsorgungszentrum/Sickerwasserkläranlage genutzt werden. Sie wird dort sogar dringend benötigt, denn das Deponiegaskraftwerk liefert aktuell nur noch 20.000 kWh/Monat mit fallender Tendenz (zum Vergleich: Im Jahr 1995 waren es monatlich 150.000 bis 170.000 kWh).
Weitere Ergebnisse der Untersuchungen in Kurzform:

  • Die heute gegebenen technischen Möglichkeiten zur Vermeidung von Emissionen sind umsetzbar.
  • Die Genehmigungsfähigkeit einer Anlage auf dem Entsorgungszentrum in Brake-Käseburg ist gegeben.
  • Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen über das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) sind heute gut; sie sind in fünf Jahren vermutlich schlechter.
  • Ein wirtschaftlicher Betrieb mit der Folge einer Reduzierung von Bioabfallgebühren ist möglich.

Das Ergebnis der zweifachen energetischen Nutzung der Bioabfälle (Wärmenutzung und Stromeinspeisung) liefert einen weiteren aktiven Beitrag zum Klimaschutz
Es wäre falsch, so Rainer Penning abschließend, die Ressource Bioabfall nicht zu nutzen.

2. Arno Stomberg: Die Trockenfermentationanlage in Brake-Käseburg

Arno Stomberg von der pbe energietechnik gmbh aus Achim beschrieb das Verfahren, das in Brake zur Anwendung kommt. Die beiden Partner, neben der pbe die BioFERM aus Waldmünchen, errichten eine Fermentationsanlage, in der der mikrobielle Abbau von biologisch abbaubaren Stoffen unter Ausschluss von  Sauerstoff stattfindet (anaerobe Verhältnisse). Das dabei entstehende Biogas enthält ca. 60 % Methan und ca. 30 % CO2; weitere Bestandteile sind Wasser, Stickstoff, Sauerstoff, Ammoniak und Schwefelwasserstoff.

Trocken ist auch diese Form der Fermentation nicht – anders als der Name zu suggerieren scheint. Denn ohne Wasser kann kein biologischer Prozess ablaufen. Die Trockenfermentation unterscheidet sich von der nassen dadurch, dass das Ausgangsmaterial weder pump- noch fließfähig ist. Die Besonderheiten dieses Verfahrens sind:

  • ein diskontinuierlicher Prozess (Batch-Verfahren) in beheizten Fermentationsboxen
  • Beschickung und Entleerung durch Radlader
  • keine Durchmischung während der Umsetzung zu Biogas, -> wenig Technik im Einsatz

Verfahrensablauf

Die Bioabfälle aus der braunen Tonne werden in der Anlieferungs- und Anmischhalle (Volumen ca. 8.500 m³) angeliefert.
Hier wird das Frischmaterial mit Altmaterial vermischt („angeimpft“), um den Fermentationsprozess zu beschleunigen.

Ein Fermenter wird mit dem Gemisch befüllt und anschließend luftdicht verschlossen. Ca. 4 Wochen verbleibt das Material im Fermenter. Das sich bildende Biogas wird über ein geschlossenes System abgezogen und im angeschlossenen Blockheizkraftwerk (BHWK, zwei Blöcke mit 250 bzw. 190 kW elektrischer Leistung) in Strom und Wärme verwandelt.
Die Fermentation wird schließlich abgebrochen, indem Sauerstoff/Luft eingebracht wird. Das Biogas wird aus dem Fermenter gespült, der Fermenter geöffnet und das Material ausgeräumt. Ein Teil des festen Gärrestes (ca. 60 %) wird zum Anmischen genutzt, der andere Teil (ca. 40 %) wird in der Nachrottehalle zu Kompost verarbeitet.

Der Genehmigungsantrag nach Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG), so berichtete Herr Stomberg, ist am 3. November 2008 mit allen erforderlichen Unterlagen beim Gewerbeaufsichtsamt Oldenburg eingereicht worden. Im Genehmigungsverfahren wird der Einfluss der Anlage auf die Umweltmedien Luft, Wasser, Boden und Naturschutz betrachtet und damit auch der Einfluss der Anlage auf Anwohner. Daneben wird auch der Bauantrag bearbeitet. Der Baubeginn wird für den April 2009 erwartet.

3. Jochen Link: Das Sicherheitskonzept einer BIOFerm-Feststoffvergärungsanlage

Herr Link, Mitglied der Geschäftsleitung von BIOFerm, skizzierte, dass grundsätzlich Risiko- und Gefahrenanalysen der Errichtung einer Anlage vorausgingen. Diese Analysen, die die Themen

  • Arbeitsbereiche (Personen)
  • Blitzeinwirkung
  • Explosionsgefahr
  • Brandschutz von innen und von außen
  • Einwirkungen auf Umwelt
  • sonstige Gefahren


betrachten, dienen einerseits dazu, die geltenden Vorschriften zu ermitteln (wenn z.B. kein gefährliches Wasser eingesetzt wird, dann muss auch nicht nach der Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen und über Fachbetriebe (VawS) geklärt werden) und die jeweils effektivsten Methoden auszuwählen, um den Eintritt der Risiken/Gefahren zu verhindern.
Denn grundlegendes Ziel sei eine präventive Gefahrenerkennung zum Wohle von Mensch, Tier und Umwelt.

Um nicht für jede neu zu errichtende Anlage das Procedere jedes Mal komplett neu durchlaufen zu müssen, wird BIOFerm eine Produktzertifizierung anstreben, die in naher Zukunft darstellbar sein wird.
Im Themenfeld Arbeitsschutz werden Betriebs- und Arbeitsanweisungen erstellt, die Beschilderung des Betriebsgeländes und der Anlage vorgenommen, Arbeitskleidung und persönliche Schutzausrüstungen ausgewählt, aber auch eine ausreichende Beleuchtung vorgesehen, um die Sicherheit von Personal und Anlage zu gewährleisten.

Beim Thema Ex-Schutz ist in der Braker Anlage im Dachgeschoss eine Zwangsbelüftung vorgesehen – und damit mehr, als der Gesetzgeber aktuell verlangt. Der Blitzschutz wird nach Schutzklasse II errichtet und berücksichtigt auch die Explosionsschutz-Richtlinie BGR 104.

Die eingesetzte Technik (Melde- und Warngeräte) werden wiederkehrend geprüft und durch die Hersteller kalibriert.

Dem Brandschutz wird sowohl mit baulichen (z.B. druckfester Gasspeicher, UV- und temperaturbeständig) als auch mit organisatorischen Maßnahmen (z.B. Schutzzonen, Feuerwehr-, Alarm- und Einsatzpläne) Genüge getan.

Zur minimalisierenden Wirkung der Anlage  nach draußen (Umweltschutz) dienen die Umsetzung der Vorgaben der TA Lärm (z.B. geschlossenen Vorhalle, in der der Radlader eingesetzt wird), der TA Luft ( z.B. Biofilter mit vorgeschalteter Befeuchtung) sowie z.B. die Korrosionsbeständigkeit der verwendeten Werkstoffe.

Auch die Konstruktion des Leitungssystems (Prüfung der Dichtheit wiederkehrend, Befüll- und Entleerungsvorrichtungen werden durch die Decke geführt) soll dem Umweltschutz dienen, in dem es das Eindringen austretender Stoffe ins Grundwasser, in oberirdische Gewässer sowie in die Kanalisation verhindert.

4. Thomas Drosten: Geruchs- und Keimimmissionen

Die möglichen Belastungen durch Geruchs- und Keimimmissionen hat Thomas  Drosten von der Zech Ingenieurgesellschaft mbH, einer Messstelle nach § 26 BImSchG für Geräusche, Gerüche und Erschütterungen, in einem Gutachten untersucht. Dabei werden neben der Abluft des BHKW das Gaslager, die Luft aus dem Biofilter sowie die aus der Nachrotte betrachtet.

Eine Grundlage für die vorgenommene Abschätzung sind die statistisch erfassten Wetterverhältnisse. Da es in Brake keine Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes gibt, sind die Angaben aus Bremen, Bremerhaven und Oldenburg betrachtet und die Bremer Daten schließlich ausgewählt worden, da hier „[...] das primäre Windrichtungsmaximum aus Südost (in Richtung der nächstgelegenen Immissionspunkte) am stärksten ausgeprägt ist [...]“ [Gutachten S. 17]

Die Mikroorganismen des Biofilters veratmen die aus der Annahmehalle abgesaugte Abluft (15.000 m³/h). Es gibt am Filter einen typischen Geruch (leicht modrig), der nicht der Vergärungsanlage zuzuordnen ist. Nach ca. 100 bis 200 m ist diese Filterabluft nicht mehr riechbar.

Gerüche haben – anders als sonstige Luftschadstoffe – die Eigenschaft, dass sie nicht wieder auftauchen, wenn sie einmal unter die Geruchsschwelle verdünnt werden. Luftschadstoffe hingegen, die über hohe Schornsteine emittiert werden, werden dann weiter verteilt und ihre Schadwirkung kommt dann in weit entfernten Gebieten zum Tragen.

Die zweistufige Nachrotte – dabei wird das Rottegut für 2 Wochen zu Dreiecksmieten und anschließend für weitere 4 Wochen zu Trapezmieten aufgesetzt – führt sehr unterschiedlich zu Gerüchen. Das Aufsetzen der Mieten riecht deutlich mehr als die Ruhephase der Mieten, die geruchlich kaum wahrnehmbar ist. Auch das anschließende Absieben ist wieder mit Gerüchen verbunden, während das Fertigkompostlager nur geringe Emissionen aufweist.

Bei der Ausbreitungsberechnung dieser Gerüche ist die häufigste Windrichtung (Südwest) berücksichtigt worden. „An den umliegenden Wohnhäusern und im Bereich des westlich gelegenen Naherholungsgebietes (Kösterteiche) wird eine Zusatzbelastung an Geruchsimmissionen von 0,02 (entsprechend einer relativen flächenbezogenen Häufigkeit der Geruchsstunden von 2 % der Jahresstunden) berechnet. Somit ist im Sinne der Geruchsimmissions-Richtlinie (GIRL) davon auszugehen, dass die Anlage die belästigende Wirkung der vorhandenen Belastung nicht relevant erhöht.“ [Gutachten, S. 2 bzw. 19]

Diese Größenordnung steht nach den rechtlichen Vorgaben der Genehmigungsfähigkeit der geplanten Anlage also nicht entgegen.

Für Keimemissionen (Bioaerosole) gibt es keine vorgegebenen Grenzwerte und auch keine vereinheitlichten Messverfahren. Auch verbindliche Rechenmodelle zur Ausbreitung existieren zur Zeit nicht. Unter Bioaerosolen versteht man „[...] alle im Luftraum befindlichen Ansammlungen von Partikeln, denen Pilze (Sporen, Konidien, Hyphenbruchstück), Bakterien, Viren und/oder Pollen sowie deren Zellwandbestandteile und Stoffwechselprodukte (z.B. Endotoxine, Mykotoxine) anhaften bzw. diese beinhalten oder bilden.“ [VDI 4552/3] Da hier – anders als bei den Gerüchen – keinerlei verbindliche Vorgaben existieren, sind die Ausführungen im Gutachten als Empfehlungen zu werten.
Erfahrungswerte und Messungen an ähnlichen Anlagen haben ergeben, dass eine Keimbelastung bei ständig bewohnten Gebäuden im Braker Süden nicht vorhanden sein wird.

Da Keime mit Staub transportiert werden, sollte die Staubbildung minimiert werden. Dazu sollten die Mieten nicht austrocknen und in Zeiten des Auf- und Umsetzens bzw. des Absiebens bietet sich eine Befeuchtung an.

5. Diskussion

Unter der Moderation von Hans Kemmeries, dem 1. Kreisrat des Landkreises Wesermarsch, wurden im Anschluss an die Vorträge Fragen aus dem Publikum gestellt und von den Referenten beantwortet. Der allergrößte Teil der gestellten Fragen richtete sich an Herrn Drosten und griff Bereiche aus dem Vortrag zu Geruchs- und Keimimmissionen auf.

„Riechen wir etwas? Oder nur das, was ansonsten auch zu riechen ist?“ lautete eine der Fragen.
Das Verfahren für die Bewertung von Geruchsbelastungen sieht nur dann eine Einbeziehung der Grundbelastungen vor, wenn die Zusatzbelastung ein bestimmtes Maß überschreitet. Da im konkreten Fall die zusätzliche Belastung als nicht relevant eingeschätzt wird, war die Erfassung der Grundbelastung nicht nötig

 „Ist das Gutachten überhaupt unabhängig?“

Auch wenn das Gutachten von der GIB-Entsorgung in Auftrag gegeben wurde, handelt es sich beim beauftragten Institut, der Zech Ingenieursgesellschaft mbH, um einen unabhängigen, zertifizierten Gutachter. Auch unabhängige Gutachter werden nur dann tätig, wenn es einen Auftrag gibt!

Wenn ein Gutachten für eine geplante Anlage negativ ausgeht, also die Genehmigungsfähigkeit der Anlage in Frage stellt oder gar negiert, gibt es immer zwei Möglichkeiten: Entweder kann der Einsatz spezieller Maßnahmen die festgestellten Probleme beseitigen, oder die Planungen für diese Anlage werden nicht weiter fortgeführt. In diesem Fall würde das Gutachten auch nicht veröffentlicht werden.

Im konkreten Fall bestätigt das Gutachten aber ja gerade die Genehmigungsfähigkeit der Anlage.

„Warum werden die derzeit genutzten Kompostierungsanlagen bzw. deren Standorte nicht weitergenutzt?“

Sowohl für die Anlage in Rodenkirchen als auch für die in Sandstedt laufen die bisherigen Verträge aus. In Rodenkirchen gibt es im Gewerbegebiet selbst Wohnungen, so dass dort der Abstand zwischen Wohnbebauung und potentieller Anlage äußerst gering ist und die Anlage damit nicht genehmigungsfähig wäre.

Wenn es eine Wertschöpfung durch eine neue Anlage gäbe, dann sollte sie auch bitte in der Wesermarsch realisiert werden, betonte GIB-Geschäftsführer Rainer Penning. Außerdem gibt es in Brake eine genehmigte Fläche, eine zentrale Lage für den gesamten Landkreis als logistischen Vorteil (Wegfall der Transporte von Brake nach Sandstedt) und mit der Sickerwasserkläranlage einen Abnehmer für die entstehende Wärme.

„Anmerkungen zum Genehmigungsverfahren“

Herr Wittmaier erklärte den Vorteil, den eine nach BImSchG genehmigte Anlage habe gegenüber einer nach Baurecht: Für BImSchG-Anlagen seien nachträgliche Auflagen möglich. Das gelte auch für Anlagen wie die in Rede stehende, die im vereinfachten Verfahren genehmigt würden, d.h. ohne öffentliche Auslegung der Unterlagen.

Für eine Anlage zwischen 3.000 und 30.000 t/a sei dieses Verfahren vorgesehen (die Anlage in Brake soll ja 15.000 t/a Input verarbeiten). Mehrfach wurde von den Referenten betont, dass der in der 4. BImSchV angegebene Mengenrahmen (bis 30.000 t/a) keine „Vorgabe“ für die geplante Anlage darstelle; keinesfalls sei eine Ausweitung (= neue Genehmigung) auf mehr als 15.000 t/a vorgesehen.

Desgleichen seien im Antrag ausschließlich organische Abfälle nach dem Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz (KrW-/AbfG) als Input ausgewiesen, also Biotonnen- und Grünabfälle. Die immer wieder ins Spiel gebrachten Schlachtabfälle sind, so die Referenten unisono, in der geplanten Anlage nicht zu verarbeiten. Außerdem seien es keine Abfälle nach Abfallrecht – wie die im Genehmigungsantrag ausgewiesen – sondern sie unterlägen dem Tierkörperbeseitigungsrecht.

„Sonstiges“

Zu guter Letzt wurde noch der Klimawandel bemüht, gegen dessen Fortschreiten ja u.a. auch die energetische Nutzung des Bioabfall eingesetzt werden soll: Bei sich änderndem Klima würde sich das Wetter auch in der hiesigen Region verändern hin zu mehr Wind mit höheren Geschwindigkeiten. Dadurch würden die entstehenden Gerüche doch ganz anders verteilt als im Gutachten beschrieben.

In der Tat, so antwortete Herr Drosten, würde durch höhere Windgeschwindigkeiten eine schnellere Verdünnung der Gerüche eintreten. Und wenn einmal die Geruchsschwelle unterschritten sei, dann sei der Geruch eben weg und käme auch nicht andernorts wieder zum Vorschein.

Einhausung der Nachrotte

Der Kreistag hat in seiner Sitzung am 15. Dezember beschlossen, die Nachrotte der aus den Fermentern ausgetragenen festen Gärreste komplett einzuhausen und die Luft über einen Biofilter zur reinigen.

Diese neue Halle verursacht Investitionen von 500.000 €uro. Jährlich werden diese Investitionen sowie der Luftwechsel und die Reinigung der Luft ca. 115.000 Euro an Betriebskosten verursachen.

Im Rahmen der Planungen zum Bau der Trockenfermentationsanlage auf dem Gelände des Entsorgungszentrums Wesermarsch haben Gesellschafter und Geschäftsführung der GIB–Entsorgung in der letzten Woche verschiedene Referenzanlagen des Anlagenherstellers besichtigt und weitere Informationen zur Anlage eingeholt.
 
So waren neben Rainer Penning und Frank Zimmermann von der GIB-Entsorgung, Harald Schöne (FDP), Jürgen Janssen (Die Grünen/Bündnis 90), Dieter Lohstroh (SPD) und Dirk Peter (Nehlsen GmbH & Co. KG) der Einladung nach Lauf a. d. Pregnitz, dem Stammsitz der BIOFERM GmbH, gefolgt. Die Teilnehmer hatten Gelegenheit in den verschiedenen Behandlungsanlagen tief in die Sicherheits- und Verfahrenstechnik „einzutauchen“ und die Lärm- und Geruchs-Auswirkungen einmal selbst zu erleben.

Für einen Einblick in eine mit der Braker Anlage nahezu baugleiche Anlage „im Bauzustand“ wurde die Trockenfermentationsanlage Busch in Höpfingen bei Würzburg besucht. Hier gab es Gelegenheit, die später schwer zugängliche Installations- und Sicherheitstechnik sowie den Beton-Rohbaubau zu besichtigen. Vom hohen Standard der Arbeits- und Bauteilqualität der Firma BIOFERM konnten sich die Gesellschafter der GIB-Entsorgung sowie Geschäftsführer Rainer Penning und der Technische Leiter Frank Zimmermann überzeugen. Die Vertreter der mit der Errichtung der Anlage beauftragten Arbeitsgemeinschaft pbe-energietechnik GmbH aus Achim und der BIOFERM GmbH standen der Wesermarsch-Gruppe für zwei Tage für jegliche Fragen und Anregungen zu Verfügung.
Besonders in einer am Produktionsstandort vorbereiteten Präsentation des Planungsstandes konnten noch Unklarheiten seitens der Gesellschafter bezüglich der eingesetzten Technik und besonders der Sicherheitsstandards geklärt werden.

Um einen Eindruck von einer im Betrieb befindlichen Trockenfermentationsanlage für Bioabfälle zu vermitteln, wurde am zweiten Tag die BIOFERM-Anlage in Waldmünchen besichtigt. Hier werden in sieben Fermentern die Abfälle aus der Biotonne des Landkreises Cham behandelt. Hier wurde, wie auch in Brake, eine eingehauste Anlieferung und eine überdachte Nachrottefläche für den Gärrest vorgesehen. Der in der Nachrotte entstehende Kompost wird als hochwertiger Bodenverbesserer eingesetzt. Abschließend wurde in Reichenbach noch eine im Betrieb befindliche Trockenfermentationsanlage mit 3 Fermentern in Augenschein genommen, in der die Verarbeitung von nachwachsenden Rohstoffen vorgenommen wird.

Auf allen besuchten Anlagen konnten sich die Vertreter der GIB–Entsorgung aus der Wesermarsch davon überzeugen, dass die Entscheidung für diese Technologie zukunftsweisend, sicher und umweltfreundlich gewesen ist. Die Anlage wird ohne schädliche Auswirkungen auf die Umgebung betrieben werden und ihren positiven Beitrag zum notwendigen Klima- und Ressourcenschutz leisten, ist sich Geschäftsführer Rainer Penning sicher. Dabei bedauerte er es sehr, dass kein Vertreter der Unabhängigen Wählergemeinschaft, welche der Anlage bekannterweise sehr kritisch gegenübersteht, diese Gelegenheit der Information wahrgenommen hat.

Die Ausschreibung zur Errichtung einer Trockenvergärungsanlage ist erfolgreich durchgeführt worden. Noch im August beginnt die Herrichtung des Baugrundes mit der Vorbelastung durch Sand. Ende kommenden Jahres wird dann eine weitere GIB-Anlage in Betrieb gehen, die einen deutlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten wird.
 
Über die Bioabfallbehandlung und –verwertung hatte der Kreistag des Landkreises Wesermarsch bereits im Dezember 2007 ausführlich diskutiert und beschlossen: Eine Bioabfallvergärungsanlage wird auf dem Entsorgungszentrum in Brake-Käseburg errichtet.

Nachdem nun auch die europaweiten Ausschreibungen für die Baumaßnahmen abgeschlossen sind, wird noch im August mit den Bauarbeiten auf dem Entsorgungszentrum begonnen. Erwartet wird der Abschluss der Baumaßnahme, die ein Investitionsvolumen von 4,9 Millionen Euro umfasst, im vierten Quartal 2009, so dass gegen Ende des kommenden Jahres mit dem Probebetrieb begonnen werden kann.

Dann wird der Inhalt aller Biotonnen, die im Landkreis Wesermarsch geleert werden, in der neuen Anlage verarbeitet. Unter Luftabschluss (Vergärung) produzieren Mikroorganismen in sogenannten Fermentern ein Gas, das in einem Blockheizkraftwerk verstromt wird. Der Strom wird in das Stromnetz eingespeist, also verkauft. Die ebenfalls entstehende Wärme wird sowohl für die Beheizung der neuen Anlage als auch für die Beheizung des gesamten Entsorgungszentrums genutzt. Besonders die dortige Sickerwasserkläranlage benötigt die erzeugte Wärme zur Aufrechterhaltung der biologischen Prozesse, denn die dort zur Reinigung der Deponiesickerwässer eingesetzten Bakterien haben es gerne angenehm temperiert. Bei ca. 21 Grad Celsius liefern sie die besten Reinigungsergebnisse und führen damit zu weiteren Kostensenkungen bei der Aufbereitung der Sickerwässer.

Die Kompostierung, die bisherige Verwertungsmethode für die Bioabfälle, wird aber durch die Biogasproduktion nicht beendet. Denn, nach der vier bis sechs Wochen dauernden Vergärung werden die Reste aus den Fermentern in einem überdachten Anlagenteil nachgerottet. Die GIB-Entsorgung produziert also auch weiterhin erstklassigen Kompost, der als Bodenverbesserer in der Landwirtschaft oder dem häuslichen Garten eingesetzt werden kann. Ein Teil des Gärgutes wird zum „Animpfen“ der folgenden Fermenterbefüllung benötigt.

Die Vergärungsanlage wird für 11.000 Tonnen bis voraussichtlich 16.000 Tonnen Bioabfälle im Jahr ausgelegt, und soll mindestens 1,8 Millionen Kilowattstunden Strom liefern, eine Menge, die 450 Zwei-Personen-Haushalte ein Jahr lang versorgen könnte.

Mit dieser neuen Verwertungsanlage werden die Kosten für die Behandlung und Verwertung des Bioabfalls deutlich gesenkt werden können. Rainer Penning, der Geschäftsführer der GIB-Entsorgung, erwartet eine Gebührenverringerung pro 80-l-Bio­tonne von ca. 20 Euro im Jahr.

Mit der Vergärungsanlage errichtet die GIB-Entsorgung auf dem Braker Entsorgungszentrum bereits die zweite Anlage, mit der ganz aktiv das Klima geschützt wird: Seit September 2006 produziert die Solaranlage auf dem Dach des Betriebsgebäudes Strom, der ebenfalls ins Netz eingespeist wird. Diese Anlage mit ihren 216 Modulen hat bis Mitte Juli 2008 immerhin kapp 63.000 Kilowattstunden Strom erzeugt und dadurch fast 41.000 Kilogramm Kohlendioxid eingespart.